Amphi Festival
22. + 23.07.06
Bericht Samstag

Pünktlich zur ersten Band This Morn Omina, die wir schon eine Woche zuvor auf dem Secret Garden Festival gesehen hatten, donnerte der Himmel und ließ noch ein wenig mehr Regen auf die schon zahlreichen Besucher prasseln.
Trotz dieses Wetters tanzten schon einige zu dem rhythmischen Beats zur frühen Stunde.

Weiter gings mit Cephalgy, gekleidet in rote Hemden, schwarze Hosen und Krawatten kamen sie vors Publikum und legten eine gute Show hin.
Maschendrahtzäune dienten als Deko, hinter einer Schattenwand tanzte ein Mädchen grazil vor sich hin. Langsam zerriss sie die Schattenwand und mit blutverschmiertem Gesicht kam sie so zum Vorschein.
„Köln ich will euch tanzen sehen, wir sind hier am Tanzbrunnen“ animierte Sänger Jörg Göhler alle Tanzfaulen, tatsächlich nahmen sich dies einige zu Herzen. Zwischendurch verirrte sich ein riesiger Luftballon von Welle:Erdball auf die Bühne was mit einem „Aha, kommt als nächstes.“ quittiert wurde.
Zu hören gab es unter Anderem „Wer ich bin“, „Erinnerung“ und „From My Hands“. Natürlich war auch der „Engel sterben nie“ Song dabei den wohl die meisten kennen dürften.


Eine Reise durch die Zeit gabs dann mit Welle:Erdball, mit dabei einige Songs der neuen CD „Chaos Total“. ZB „Der Telegraph“, „Das Souvenir“ und „Hoch die Fahnen“ bei dem stilvoll zwei Welle:Erdball Fahnen geschwungen wurden.
Ebenfalls neu waren die Kleider der beiden Damen die wie Schaufensterpuppen aus vergangener Zeit auf ihren Podesten standen.
Aber auch ältere Lieder gab es auf die Ohren, mit dabei: „Arbeit Adelt!“, „Wir wollen keine Menschen sein“ und „Starfighter F-104G“.
Als besonderes Schmankerl für die Fans gabs einen C64 original unterschrieben von der Band. Honey freute sich das endlich mal jemand das Teil auffing, ging er doch im letzten Jahr auf dem Amphi zu Bruch. Die obliga-torischen Luftballons kamen schließlich auch noch an die Reihe, nicht alle hatten sich bei Cephalgy zuvor vom Winde verwehen lassen.
Noch ein letzter Hinweis auf die Unterschriften Liste für den Tierschutz und weg waren sie, die Zugaberufe verliefen leider ins Leere was wohl an dem straffen Zeitplan liegen dürfte..


Doch Unheilig fing sogar früher an als geplant, also konnte der Umbau ja doch nicht so lange gedauert haben.
Kerzen im Hintergrund erzeugten ein wenig romantische Stimmung, leider kommt ja so was nicht ganz so gut rüber wenn helllichter Tag herrscht.
Aber Lieder wie „Luftschiff“ und „Mein Stern“ taten sein übriges.
Schnellere Stücke gab es natürlich auch, unter anderem „Ich Will Alles“, „Auf zum Mond“ und „Sage Ja“
Die Bässe kamen uns persönlich extrem stark vor, das hielt aber nicht die Leute ab sich zusammenzudrängen um den Grafen ein wenig näher zu sein.
Diesmal wurden die Schreie nach Zugabe erhört: „Scheiß auf die Zeit, ihr bekommt noch einen.“. Eine spontane Zugabe war es allerdings nicht, denn Zeit hatten sie noch genug…


Nebelig wurde es bei den 69 Eyes, man sah kaum was sich dort auf der Bühne herumtrieb, so hörte man größtenteils nur den Sound.
Nur wenig lichtete sich der graue Dunst mit der Zeit und gewährte Einblick auf die wie immer in Lederkleidung steckenden Herren.
„You wanna rock?“ fragte Jyrki leidenschaftlich die Menschen vor ihm und bekam ein lautes “Yeah” zurück.
Außerdem meinte er noch: „Ihr könnt euch an uns erinnern und wir erinnern uns an euch. Gut wieder zurück zu sein!“ Na wenn er das sagt…


Auch die nächste Band Subway to Sally durften wir bereits 2 Wochen vorher beim Castle Rock bewundern. Somit waren wir ein wenig darauf vorbereitet als der Kunstschnee in Form von Schaum vom Himmel viel. Passend dazu gab es „Sarabande de Noir“ und „Schneekönigin“. Diesmal waren es allerdings größere Geräte die die weiße Pracht über zahlreiche Köpfe pusteten, das war ein schönes und groteskes Bild zugleich, da die Sonne munter vor sich hin strahlte. Weiter schipperten sie mit dem „Knochenschiff“ zum „Kleid aus Rosen“ was mit viel Jubel belohnt wurde. „Da bekommt man Gänsehaut.“ strahlte Eric Fish
Es ging sicherlich noch gut her auf der Bühne und im Publikum mit Feuershows und bekannten Liedern zum mitsingen, doch wir machten uns nun auf den Weg in die Halle, zur Second Stage…


… dort wollten wir Lola Angst zusehen die wir bis jetzt noch nie Live gesehen hatten, es ist ja auch eine relativ neue Band.
Mit einem Feuerzeug bewaffnet tastetet sich Andy über die stockdustere Bühne zum Mikro um die ungewöhnliche Band anzukündigen.
Orgel Lola, ehemaliges Kirchenmitglied, stand ziemlich einnehmend im Zentrum und zog die Blicke auf sich, sofern das bei den Lichtverhältnissen möglich war.
Los gings mit einem klassischen Stück, ohne drumherum Effekte, doch das änderte sich schnell mit „shes a dark dj“, „children of the dark“ und „am i dead“. 2 Balletttänzerinnen performten eher ungewöhnliche Tänze, passend zu den Beats und sehr ansehnlich wie wir fanden, Respekt!
Schade das Goldmann und Schirner so viel gequatscht haben, sonst hätten sie doch noch den ein oder anderen Song mehr spielen können. Auch die ständigen Sticheleien auf die verhassten Dudelsäcke waren etwas überflüssig.
Eigentlich spuckt Lola ja Feuer aus ihren Orgelpfeifen, doch das war bei der Bühne leider nicht möglich und somit bekam man einen weiteren Anlaufpunkt über den sich die Zuschauer lautstark beschwerten, die Feuerwehr.
Fazit: mehr Musik und weniger Lästern, dann haben wir alle mehr davon!


Draußen tobte inzwischen die Menge zu VNV Nation, den letzten Rest bekamen wir noch mit und es schien eine super Stimmung zu herrschen.
Viele Hände reckten sich fleißig klatschend dem dunkler werdenden Himmel entgegen. Eine große Videowand untermalte die gesangliche und musikalische Leistung der beliebten Band. Bei „Beloved“ sangen die Fans wie eine große Stimme mit. Einen Song übersprangen VNV Nation dann zum Schluss weil leider keine Zeit mehr blieb, es gibt eben eine Uhrzeit zu der Ruhe herrschen muss wenn man keinen Ärger mit dem Ordnungsamt haben möchte.
Auf die traurigen Rufe hin vertröstete Ronan Harris auf die Second Stage mit Mr. Combichrist, „This shit will fuck you up.“ lachte er.
Außerdem schmeichelte er noch dass es immer wieder ein großes Vergnügen sei in Deutschland spielen zu dürfen.


Zu dieser Zeit spielte aber noch in der Second Stage die Japanische Band Calmando Qual ziemlich gewöhnungsbedürftigen harten Gothic Rock.
Einige Zuschauer suchten das Weite, andere blieben und kreischten, bzw. kuckten sich die Sache neugierig näher an.
Unser Fall war es auch nicht unbedingt und so trabten wir wieder raus in die sich abkühlende Nachtluft.


Dort angekommen hatten wir erstmal eine Menge Leerlauf, die Lesung mit Oswald Henke hatte noch Zeit, somit betrachteten wir die Mengen die sich langsam in die Halle drängten um auf Combichrist zu warten.
Zurück blieb ein Häufchen Menschen die den Umbau auf der Bühne beobachteten und eine große Fläche die mit Plastikbechern und anderem Müll übersäht war.

Nun gut, dann also doch noch mal ab in die Halle, man ist ja neugierig was da drin los ist.
Los war eine ganze Menge, fast kein durchkommen war möglich, dicht gedrängt standen sie wie die Sardinen und lauschten Combichrist.
Wobei lauschen vielleicht das falsche Wort ist denn ab der ersten Sekunde ging die Post ab und die Halle brodelte.
Herr LaPlegua hatte die Menge sofort unter Kontrolle mit Hits wie "Blut Royal", "Area51" oder natürlich "This shit will fuck you up".
Für uns das Highliht des Tages auch wenn wir nicht dem ganzen Auftritt beiwohnen konnten.


Derweil ging es auch draußen mit Oswald Henkes Lesung los.
Zur Begrüßung bekam die erste Reihe erstmal einen Sekt, den Rest aus der Flasche genehmigte sich der Goethes Erben Sänger selber.
Zunächst musste er die Zuhörer darauf aufmerksam machen ganz leise zu sein, da sie Auflagen von der Stadt bekommen hatten die eine bestimmte Lautstärke nicht überschreiten darf. So kamen viele ein wenig näher an den Bühnenrand um alles mitzubekommen. Themen wie z.B. der Papst, digitale Bildberarbeitung und sex sells wurden durchgenommen.
Die unter 18 jährigen bekamn Lollis geschenkt, da meldetet sich wohl auch der ein oder andere über 18 ;-) Für die war allerdings Ahoi-Brause bestimmt.
„Wer hat denn heute Abend noch nichts vor?“ fragte Oswald verschmitzt. Das waren so einige die da die Hände ausstreckten „Ihr seid ja hungrig! Sexhungrig!“.
Aus seinen Büchern gab er auch noch Texte zum Besten, unter anderem „Stadt der Träume“, „Fleischschuld“ und „Narbengarten“ die sehr zum Nachdenken anregten. Doch auch lustige Momente gab es, als Oswald mit seiner Wasserpistole ins Publikum spritzte: „Das mache ich jetzt immer wenn ihr zu laut seid, habe ich mir extra gekauft.“ grinste er. Auch sein Assistent bekam das zu spüren, als Strafe weil er zu spät die Kerzen brachte.


Im munteren Wechsel flitzten wir wieder in die Halle zu Diary of Dreams und somit zu Adrian Hates, dem Herren mit der schönen Stimme und den tollen Haaren ;-)
Zur Setlist gehörten unter anderem „Chemicals“, „Giftraum“, „End (giFtet)“ und „Butterfly:Dance!“.


Nun gingen wir endgültig wieder nach draußen wo wir den letzten Rest von Christian von Aster hörten.
Schade, nur noch die Story über die Deutsche Bahn und ihre Pünktlichkeit, bzw. den Braunschweiger Bahnhof und seine Einwohner, ein Gedicht über garstige Adelige und ein Minigedicht über eine Fledermaus bekamen wir mit.
Wir hätten gern mehr gehört, laut Plan sollte es auch noch eine Weile gehen, vielleicht wurde die Lesung vorgezogen?



Die Djs nahmen wir dann nicht mehr mit, es war schließlich ein anstrengender Tag mit langer Autofahrt.
So freuten wir uns auf unser Hotelbett und fuhren von dannen.